Es ist eine reine Plattheit, dass Sprache und Kultur ineinander verzwickt sind. Doch wenn wir uns die Menschenaffen anschauen, die Bonibos und die Schimpansen sehen wir, dass sie Kulturen haben, ohne die ausgebildeten, hochentwickelten Sprachen,die wir Menschen haben. Ist dies die heuristische Antwort auf die Frage, was kam zuerst, Sprache oder Kultur? Mag sein. Doch schauen wir zuerst an, was eine Kultur ist.
Das Wort Kultur geht aufs Lateinische zurück: Landwirtschaft, Anbau, Bearbeitung. Es ist eine Metapher, ein Sinnbild, für die Beackerung der Werte einer Gesellschaft. Sowie der Bauer den Samen in den Boden legt und die Sprößlinge besorgt, so pflegen die Menschen einer bestimmten Gesellschaft, die Gepflogenheiten, die in der Gesellschaft gepflanzt werden. Die Chinesen nennen diese Erscheinung 文化, wenhua, Schriftsprache. Da die Chinesen schon von frühan eine Schrift hatten (die bis in unsere Tage hinein ohne Abbruch weiter besteht), verknöpfen sie die Kultur mit der schriftlichen Gestalt. Zurück zum Lateinischen: ein cultor ist ein Bebauer, Bearbeiter, Pfleger, Landmann, Bewohner, Anwohner, Verehrer, Anbeter, Priester, Freund oder Liebhaber. Der Sprach-Brockhaus (1966) erklärt die Kultur als: Gesamtheit der Lebensäußerungen eines Volks, die seinen Rang in der Gesittung bestimmen. Fein. Also die Benobos und die Schimpansen haben eine Gesittung, die ihre Gesellschaft regelt, ohne die Regelung der Sprache, wie wir sie kennen.
Heißt das dann, dass man Kultur ohne Sprache haben kann, aber Sprache ohne Kultur nicht?
Wenn das stimmt, dann benutzen die Englischsprachigen ihre Sprache um uns allen ihre Kultur aufzuzwingen. Wie schön!
Vielleicht soll ich mich darüber freuen, weil ich Englisch unterrichte, genauer gesagt Amerikanisch. Und meine Doktorarbeit zeigte zweifelsohne, dass die Studenten, die zwar die amerikanische Sprache sprachlich beherrschten, am meisten die amerikanische Gesellschaft haßten, weil sie nichts von den Gepflogenheiten der US-amerikanischen 'Kultur' verstanden auch wenn sie beinah eingeborenermäßig amerikanisch sprachen. Leider kann noch mag ich dies als Gelehrter annehmen.
Kann man Englisch kulturlos als Verständigungsmittel benutzen? Ich bezweifele das. Ich zweifele das an, weil ich mehrsprachig bin und weil ich begriffen habe, dass ich in der derweiligen Sprache eine bestimmte Sprechart anwende, die auf meine Zuhörerschaft zugeschnitten ist. Ich bezweifele das, weil ich Whorf gelesen habe und weiß,das es Kryptofelder gibt, die dem Sprecher unbewußt sind, aber die den Aussagen des Sprechers unbewußt beeinflussen. Ein Beispiel aus dem Englischen: Ich will jemand ins Schwitzen bringen. Ich sage: It's really muggy outside. Mich interessiert es nicht wie meine Aussage auf den Zuhörer wirkt, doch ich will nur mitteilen, dass es heute schwul ist, ich sage: It's very humid outside. Muggy und Humid sind bedeutungsgleich. Doch Muggy ist angelsächsischer Herkunft und spricht den Ursinn des Hörers an. Humid ist ein lateinisches Wort, ein "gebildetes" Wort, gefühlfrei also. Wenn ich sage 'muggy' schwitzt der Hörer schon bei der Vorstellung. Wenn ich sage "humid", denkt der Hörer bloß and den Feuchtigkeitsgrad der Luft.
Verstehen englische Zweitsprachler diese Unterschiede? Ich glaube es nicht.
21 September 2008
05 September 2008
die Kolonie
Ich wohne in der britischen Kolonie, USA. Obwohl Großbritannien unser Land nicht mehr regiert, sind wir die Unterdrückten Großbritanniens Söhne und Töchter. Insoweit sind wir noch eine Kolonie Großbritanniens. Mir gefällt das nicht. Ich bin kein Brite. Meine Vorfahren waren auch keine Briten. Ich habe niemand darum gebeten, hier geboren zu sein. Mir ist es bewusst, dass die meisten Bundesbürger hier seufzen werden und denken werden: “ Aber so ist es! Nimm an was so ist!“ Ich kann das nicht. Für den/die, der/die in der BRD lebt, ist das Leben in den USA vielleicht zweitranging, außer dass die BRD Politiker unentwegt das US-amerikanische Modell sich vornehmen. Und darin liegt die Gefahr. Das Modell meiner Heimat ist verzwickt und verzwackt. Das Musterbild USA passt so gut auf Deutschland wie die Faust aufs Auge.
Die Macht in unserem Land verteilt sich nach britischem Muster. Die Abkömmlinge der Briten sind die Machtinhaber. Doch es gibt eine sehr breite Schicht von britenabkommenen Armen, die ständig rechts wählen, weil sie vor einem weiteren Abrutschen in die Ohnmacht fürchten. Sie wählten Bush und sie werden auch McSame wählen.
Die Macht in unserem Land verteilt sich nach britischem Muster. Die Abkömmlinge der Briten sind die Machtinhaber. Doch es gibt eine sehr breite Schicht von britenabkommenen Armen, die ständig rechts wählen, weil sie vor einem weiteren Abrutschen in die Ohnmacht fürchten. Sie wählten Bush und sie werden auch McSame wählen.
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