Ich schaue mir manchmal die religiösen Sendungen im Fernsehen an. Hier in Südostflorida empfängt man zwei englischsprachige und einen spanischsprachigen frömmelnden Sender. Was mir immer wieder auffällt, ist die Botschaft, dass die Religion da ist, um dem Einzelnen zu helfen. Es geht diesen Menschen kaum um die Menschheit sondern der Einzelne soll durch seine Spenden an die Kirchen im Himmel gerettet werden. Es ist kein Wunder in einem ausgeprägten kapitalistischen Wirtschaftsaufbau, in dem das Gelingen im Sinne von Verdienen trumpf ist, dass der Einzelne rund um die Uhr dazu aufgefordert wird, sich zu beweisen. Dies erzeugt Angst. Um diesen Angst abzubauen, wendet man sich an Jesus.
Ich will hier nicht behaupten, dass ich nicht an Jesus glaube. Das wäre ein ganz anderer Aufsatz, denn meine Einstellung zum Jesus ist nicht schwarz-weiß. Ich bind schließlich römisch-katholisch erzogen und habe sogar einen Konfirmationsnamen, Teodor, als der, der Gott liebt. Diesen Namen habe ich mir selbst damals ausgesucht. Man kann seine ganze Kindheit nicht leugnen. Doch ich gehe nicht mehr in die Kirche und ich glaube nicht an die Macht der römischen Kirche. Viel weniger glaube ich an den Jesus der Evangelisten. Vor allem ist der Jesus der Protestanten ein Jesus des Einzelnen. Wenn man genug büßt und leidet, dann wird man am Ende im Himmel aufgenommen werden. Das ist Religion im Dienste des Gewinns – denn ich darf schinden und mogeln, wenn ich nur laut genug „Jesus“ schreie. In meinem Verständnis der irdischen und später himmlischen Person Jesus kommt das nicht an.
02 August 2009
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